Darum gibt es im Moment so viele Gin-Sorten

Von Celina de Cuveland

0
66
Gin-Flaschen von Plymouth, Siegfried und Gordon's im Anschnitt.

Eine Vorstellung: Es ist Spätsommer, die letzten warmen Tage brechen an. Zeit, nochmal zu grillen, bevor der Herbst kommt. Und was passt besser zu einem Grillabend bei Freunden als ein erfrischender Gin-Tonic? Richtig, nichts. Aber welcher Gin soll es sein? Die Auswahl ist gigantisch. Seit einigen Jahren schießen die kleinen Destillen nur so aus dem Boden. Inzwischen machen Gin und Genever rund 1,5 Prozent auf dem gesamten deutschen Spirituosenmarkt aus. Das geht aus einer Statistik des Bundesverbands der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure hervor. Ein erstaunlich hoher Anteil für ein geschmacklich so spezielles Getränk. Wie also kommt es, dass wir plötzlich alle so versessen auf Gin sind?

Plötzlich haben Bars 70 verschiedene Gin-Sorten im Angebot, kleine Gin-Destillerien eröffnen überall in Deutschland. Gin ist inzwischen vor allem auch in der Cocktailszene beliebt, hat in den vergangenen Jahren einen regelrechten Hype erlebt, den keiner so wirklich begründen konnte. Hans-Gerhard Fink, Chef der Finch Whiskydestillerie mit Sitz auf der schwäbischen Alb und Mitglied des Verbands der Deutschen Whiskybrenner versucht es trotzdem mal: „Gin lässt sich unheimlich gut in Bars einsetzen. Man trinkt ihn in Cocktails oder als Longdrink. Und Gin ist extrem wandelbar. Es gibt etliche Tonics auf dem Markt, allein mit denen lassen sich zahlreiche Gin-Kreationen kredenzen.“ Der Gin Tonic habe inzwischen sogar schon Aperol Spritz und Hugo in der Beliebtheitsskala abgelöst. Eben, weil er wandelbarer ist.

Und auf diesen Zug springen viele alteingesessene Brennereien, aber auch junge kreative Köpfe auf. Fink erklärt das: „Viele Whiskybrennereien stellen heute nebenbei einen Gin her. Man muss nicht so viel Geld in die Hand nehmen wie bei der Whiskyproduktion und der Herstellungsprozess ist wesentlich kürzer. Gin muss nicht reifen. Eine Brennerei bekommt so schnell und einfach mehr Liquidität.“ Und es gibt noch einen Vorteil: Das Kontingent an Bränden, das die Destillerien produzieren, ist gesetzlich reglementiert. Das heißt, sie dürfen nur eine gewisse Menge an Bränden produzieren. Keine Vorgaben gibt es aber für das Umwandeln oder Verfeinern einer Spirituose. Da Gin immer mithilfe einer Basis-Spirituose hergestellt wird, dürfen die Brennereien von dem Wachholderschnaps so viel herstellen, wie sie möchten. Gin lässt sich also schnell, einfach und praktisch massenhaft produzieren.

Monkey 47 Schwarzwald Dry Gin – Harmonischer Gin mit Wacholderaroma & frischen Zitronen- und Fruchtnoten – Britische Tradition, indische Exotik & Schwarzwälder Handwerk – 1 x 0,5 L
30,00 EUR 39,99 EUR
Stand: 10. Dezember 2018 0:58 Uhr
Amazon Prime
Jetzt auf Amazon kaufen
Advertisement
Tanqueray London Dry Gin (1 x 1 l)
19,90 EUR 28,99 EUR
Stand: 9. Dezember 2018 22:25 Uhr
Amazon Prime
Jetzt auf Amazon kaufen
Advertisement
Bombay Sapphire London Dry Gin (1 x 1 l)
20,90 EUR 29,99 EUR
Stand: 9. Dezember 2018 22:25 Uhr
Amazon Prime
Jetzt auf Amazon kaufen
Advertisement
Gin Mare (1 x 0.7 l)
30,97 EUR 44,98 EUR
Stand: 9. Dezember 2018 18:17 Uhr
Amazon Prime
Jetzt auf Amazon kaufen
Advertisement

Gin ist eben inzwischen nicht mehr nur ein Trend, er ist mitten angekommen in hippen Szenebars, auf dem Balkon und neben dem Gurkenschneidebrett in der Küche. Währenddessen tut sich einiges auf dem Markt. Auch traditionelle Hersteller wie Gordon’s oder Bombay entwickeln nun neue Gins, um im Gespräch zu bleiben. Und: Auch Spirituosenhersteller, die normalerweise auf ganz anderen Schnäpse setzen, interessieren sich plötzlich für Gin. So zum Beispiel Jägermeister. Anfang Juli hat sich das Unternehmen bei der Hamburger Marke Gin Sul eingekauft. Jägermeister macht jetzt also auch in Wacholder.

So steigt auch der Anteil der Produktion. Gin und Genever machten im Jahr 2016 rund 2 Prozent der gesamten Spirituosenproduktion aus. Anteil steigend. Die Marktführer sind übrigens Wodka (knapp 20 Prozent) und Bitter-, Halbbitter- und Kräuterliköre mit knapp 25 Prozent. Wodka ist auch die Spirituose, die Fink am ehesten noch mit dem Gin-Hype vergleichen hätte. „Das hat allerdings nichts mehr mit Genuss zu tun“, meint er. „Das geht eher in Richtung Saufgelage beim Wodka.“

Aber wie kommt es, dass sich auch so viele junge Leute am Gin versuchen? Auch darauf hat Fink eine Antwort: „Ich sage mal so: Wer seit 12 Semestern irgendetwas studiert und dann zum wiederholten Mal durch seine Prüfung rasselt, der macht dann halt plötzlich Gin. Kurz gesagt: Wer sonst nichts kann, macht Gin. Jeder, der ein bisschen Ahnung von Marketing hat, sieht momentan seine Chance auf dem Gin-Markt.“ Inzwischen gibt es Gin nämlich auch nicht mehr nur in Bars, Getränkemärkten oder Spirituosengeschäften. Guten Gin gibt es sogar schon beim Discounter.

10, 20 oder 40 Euro: Preisunterschiede beim Gin

Nach Vodka, Likören, Rum und Eierlikör enthalten die meisten Flaschen mit hochprozentigem Inhalt im Einzelhandel Gin. 2018 wird der Umsatz mit Gin in Deutschland etwa 116 Millionen Euro betragen. Im Schnitt trinken wir pro Jahr 0,09 Liter Gin – pro Person. Die Gin-Industrie boomt. Und was boomt, kommt bekanntlich gerade bei jungen Leuten gut an. Kein Wunder also, dass sich in den vergangenen Jahren immer mehr Jungunternehmer auf dem Gin-Markt tummeln.

Dass der Hype noch lange anhält, damit rechnet Fink allerdings nicht. Trotzdem fällt ihm keine Spirituose ein, die eine vergleichbare Hochzeit erlebt hat. Gin werde noch eine Zeit lang seine Bedeutung behalten neben jenen Mode-Getränken wie Hugo, Lillet und Aperol Spritz. Aber: „Er bleibt kein Dauerbrenner für die nächsten 20 Jahre.“ Wer also in diesen letzten Sommertagen noch zum Grillen will… entscheidet euch rasch, welchen Gin ihr mitbringt. Nicht, dass sonst plötzlich wieder Whisky-Cola in Mode ist.

Hirschberg-Gin: Von der Schnapsidee zum Preisträger

Affiliate-Link: Das GIN Magazin erhält eine kleine Provision, wenn du über den markierten Link einkaufst. Den Preis für das Produkt beeinflusst dies nicht. Aber du hilfst dabei, unser Projekt mitzufinanzieren.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here