Loredry Gin: Das Mittelrheintal aus der Flasche

Von Celina de Cuveland

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Handarbeit beim Loredry Gin

In einer Region, die bekannt ist für ihren Weißwein, hatten drei Brüder den Mut, einen Gin herzustellen, der zum Aushängeschild für das Mittelrheintal werden soll.

Der Loredry Gin wurde geboren als einer von vielen. Ginsorten gibt es derzeit wie Sand am Meer, überall schießen kleine Brennereien in die Höhe, werden neue Kreationen ausprobiert, alte Konzepte neu vermarktet. Der junge Loredry Gin wird es also nicht leicht haben in seinem Leben. Aber er hat einen Vorteil gegenüber vielen anderen Wachholderspirituosen. Denn er wurde geboren aus einer Idee, die rund ist. Hinter der ein ausgeklügeltes Marketingkonzept steht. Und das zeigt schon jetzt erste Erfolge.

Denn obwohl der Loredry Gin erst wenige Monate alt ist – die erste Abfüllung erfolgte am 2. April 2018 – kann man ihn schon in 31 Feinkostgeschäften, Bars und Vinotheken erstehen. In Freiburg, Stuttgart, Breisgau, Koblenz und natürlich rund um die Loreley ist der Gin schon erhältlich. Wie kommt das?

Ein Gin, der nach Heimat schmeckt

Die drei Brüder Stefan (31), Andreas (29) und Markus (26) Wanning, die hinter dem Loredry Gin stecken, kommen viel herum am Mittelrhein. Und: Sie haben immer einige Flaschen ihres Gins im Kofferraum. Den einen oder anderen Barkeeper konnten sie so spontan von ihrem Produkt überzeugen. Aber der Erfolg zeigt auch deutlich: Die Brüder haben mit ihrer Idee, einen Gin zwischen all den hervorragenden Weißweinen des Mittelrheintals zu verankern, ins Schwarze getroffen.

Der Loreydry Gin ist kein Massen-Gin. Obwohl sein Marketingkonzept aufgeht. Hinter dem Loredry Gin steckt kein Konzern, er wurde erdacht von drei Brüdern aus Bingen. Er ist fest verwurzelt in seiner Heimat, dem Mittelrheintal. Genauer gesagt an der Loreley. Er ist als Mitbringsel gedacht für Touristen, soll aber auch den Einheimischen schmecken. Er soll zum Aushängeschild der Region werden. Und dafür muss er natürlich verbunden sein mit der Sage der Loreley.

Die Zutaten für den Loredry Gin

Goldblättchen symbolisieren die Tränen der Loreley

Am bekanntesten ist wohl die Fassung, in der ein blondes Mädchen namens Loreley auf dem Felsen hoch über dem Rhein sitzt, dort ihr goldenes Haar kämmt und dabei singt. Ihr Aussehen und der Gesang waren so bezaubernd, dass die Schiffer auf dem Rhein zur Loreley hinaufsahen und auf die gefährlichen Riffe, Felsen und Untiefen des Flusses fuhren. Dabei sollen viele Schiffer ums Leben gekommen sein.

An dieser Sage orientiert sich die gesamte Aufmachung des Loredry Gin. Von dem dunklen Etikett hebt sich der Rhein in Gold ab, die Farbe soll an das Haar der Loreley erinnern. Dem Gin wird außerdem Blattgold zugesetzt, das ihre vergossenen Tränen symbolisiert. „Ursprünglich wollte ich einen goldenen Faden in die Flasche geben, sozusagen als ein Haar der Loreley“, erzählt Stefan Wanning, der älteste der drei Brüder. „Das hat aber nicht funktioniert. Der Faden musste lebensmittelecht sein, das wäre letztlich relativ kompliziert geworden.“

Loredry Gin schmeckt auch zum Essen

Kirschen vom Mittelrhein verfeinern den Geschmack

Außerdem stecken in der Flasche natürlich viele Zutaten aus dem Mittelrheintal. So wird der Gin etwa mit Kirschen aromatisiert, die in der Region wachsen. Auch der beigefügte Lavendel kommt aus dem Mitthelrheintal. Das Wasser, das die Basis des ganzen Gins darstellt, ist Quellwasser von der Loreley. Und der Basisalkohol ist ein Weindestillat aus den weißen Trauben des Mittelrheintals. „Alles, was wir an regionalen Zutaten beziehen können, beziehen wir auch“, erklärt Stefan Wanning. „Sonst würde unsere Philosophie ja keinen Sinn ergeben.“ Man könnte also glatt sagen: Der Loredry Gin ist ein Stück Mittelrheintal.

Loredry Gin wird gebrannt

So gut das Marketingkonzept hinter dem Loredry Gin ist, so wenig haben seine drei Erfinder eigentlich mit Verkaufsstrategien am Hut. Sie arbeiten eigentlich im Arzneimittel- und IT-Bereich. Die Idee, einen eigenen Gin herzustellen, kam ihnen beim gemeinsamen Skifahren. Denn die drei Brüder mögen Gin, konnten im Sortiment aber keinen regionalen Gin aus ihrer Heimat finden. Und weil Gin für eine Spirituose vergleichsweise leicht herzustellen ist, entschieden sie sich selbst Hand anzulegen. Mit dieser Idee entstand auch der Name für ihre Destillerie: die „Three Brothers Distillery“.

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Ein Top-Winzer macht jetzt auch Gin

Umgesetzt werden konnte die Idee des eigenen Gins übrigens nur, weil die Wannings eine Kooperation mit dem vielleicht wichtigsten Mann hinter dem Loredry Gin eingegangen sind: Heinz-Uwe Fetz. Der wird im Volksmund manchmal auch als „die Zunge des Mittelrheintals“ bezeichnet. Und das sagt ja eigentlich schon alles. Fetz gehört zu den Top-Winzern der Region. Wenn jemand einen hochklassigen Gin mit regionalen Zutaten geschmacklich verfeinern kann, dann er.

Die Macher des Loredry Gin

Als die Brüder mit ihrem ersten Test-Gin zu ihm kamen – für dessen Rezept sie übrigens eineinhalb Jahre Entwicklungszeit gebraucht hatten – meinte er nur: „Na, Jungs, den kann ich euch aber besser machen.“ Und damit war klar, wer in Zukunft mit den Wannings zusammenarbeiten würde. Und tatsächlich: Der Loredry Gin wurde feiner, filigraner und runder. 7 Stunden dauert seine Destillation, 50 cl passen in eine Flasche. „Das Design der Flaschen stand zu dem Zeitpunkt längst fest“, erzählt Stefan Wanning. „Wir mussten nur noch abfüllen und dann konnten die ersten Flaschen in den Handel.“

Mit Handarbeit und Sammlerwert erfolgreich

Inzwischen habe sie rund 1.200 Flaschen ihres Loredry Gins verkauft, knapp drei Chargen. Jede Charge besteht aus 555 Flaschen. Auch diese Zahl ist angelehnt an die Loreley-Sage. Denn der Felsen der Loreley befindet sich bei Rheinkilometer 555. Und noch eine Besonderheit haben die Chargen. Jede trägt den Namen einer Burg, die im Mittelrheintal steht. „So haben die Flaschen auch einen Sammlerwert“, erklärt Stefan Wanning. „Wenn wir alle Burgen haben, müssen wir uns etwas Neues überlegen.“ Tatsächlich fragen viele Kunden im Handel nach den Flaschen einer Charge, die eine sehr niedrige Produktionsnummer haben. Das spiegelt den Manufakturgedanken der Three Brothers Destillery wieder. Wer seinen Gästen die dritte Flasche einer Abfüllung präsentieren kann, bekommt eben schnell das Gefühl, eine Rarität aus einer kleinen Brennerei mit Handarbeitscharakter auf den Tisch zu stellen. Wo das Etikett von Hand aufgeklebt, destilliert und anschließend in die Flaschen gefüllt wird.

Eine Flasche des Loredry Gin

 

Erstehen kann man den Loredry Gin übrigens auch in der Vinothek von Heinz-Uwe Fetz in Dörscheid. Zwischen Mirabellen- und Pfirsichbränden, Wildapfelbrand und Riesling Trester macht sich der Gin vom Mittelrhein gut mit seinem silber-grauen Etikett. Mehr als 70 Flaschen hat Fetz bisher allein in seiner Vinothek verkauft, 35 Euro kostet eine von ihnen. „Es war unser Traum, dass man ins Mittelrheintal fahren kann und es dort einen regionalen Gin gibt, der bekannt ist“, erzählt Stefan Wanning. „Und daran arbeiten wir jetzt.“

Der Loredry Gin wird verkostet

 

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