Homemade – So leicht macht man eigenen Gin

Von Sandra Gawlowski

0
194

Gin Tonic, der GT unter den Longdrinks – manche lieben ihn, manche hassen ihn, alle kennen ihn. Das Lieblingsgetränk der einstigen Queen Mum, Elizabeth Bowes-Lyon, konnte über die Jahre hinweg erfolgreich den Schnaps-Olymp erklimmen und heute ist es von dort nicht mehr wegzudenken.

Gin Tonic ist der Drink der „Hipster“ und „Agenturkinder“, all der wohl betuchten, eleganten Herren mit Manschettenknöpfen und jener Frauen, die gerne die Nacht zum Tag machen. Und vielleicht ist er demnächst für Sportfanatiker und Fitness-Gurus die erste Wahl, die jeden Ananas Smoothie genüsslich in den Schatten stellt: Studenten der Universität von Sigulda in Lettland haben nämlich herausgefunden, dass die Spirituose den Stoffwechsel beschleunigt und dem Körper dabei hilft, Kalorien effizienter zu verbrennen. Aber auch wenn das Ergebnis der Studie regelrecht Freudensprünge auslöst und neben dem Metabolismus gewiss auch den Ginkonsum in der Gesellschaft schlagartig anzukurbeln vermag, so kann die Gin-Diät nicht wirklich empfohlen werden – weder von Medizinern noch von Trophologen. Denn schließlich ist der Wachholderschnaps Alkohol, der womöglich den Kalorien den Kampf ansagt, aber mit Gewissheit auch die gute Leber angreift. Schade eigentlich!

Und doch ist und bleibt Gin ein Lifestyle und wer guten Gin trinkt, der hat Stil. Er gehört neben den schnieken Eames-Stühlen, den ordentlich gerahmten schwarz-weißen Portraitaufnahmen und dem meterlangen Holztisch zum Inventar jedes Wohnungsbesitzers, der mit der Zeit geht. Und auch in der Popkultur findet er Anklang: Im Lied „Bombay Calling“ nutzt die deutsche Band Ok Kid das Paragramm als rhetorisches Mittel und kreiert auf diese Weise smarte Zeilen wie: „Ich hör nicht auf den Bauch, ich vertrau‘ dem sechsten Gin“ oder auch „Heute Nacht hat mein Leben wieder Gin“.

Do it Yourself

Trotz der vielfältigen Vorteile des digitalen Fortschritts, stirbt die Retro-Liebe und der Hang zu alt bewährten und selbstgemachten Dingen nie aus. Schließlich kann keine Markenmarmelade dieser Welt mit der fruchtig-süßen Konfitüre der eigenen Großmutter mithalten. Selbstgemachte Möbel aus Paletten, eigens kreierte Ohrringe aus Garn, Pesto für die eigens dafür zubereiteten veganen Nudeln – das sogenannte „Do it Yourself“ liegt im Trend. Aber kann ein selbstgemachter Gin mit den Siegfrieds und Hendricks dieser Welt mithalten?

Do it Yourself GIn
Der Gin Baukasten zum Selbstmachen | Quelle: Amazon – Bei Amazon kaufen

Normalerweise wird Gin destilliert, doch dank des Prinzips der Mazeration (dem Kaltauszug, bei dem die Gewürze mit Wasser und Alkohol gemischt und für eine gewisse Zeit stehen gelassen werden), kann einfach jedermann seinen eigenen Gin anfertigen. Es bedarf weder aufwändiger Apparate noch eines fundierten Studiums: Eine neutrale Spirituose, wie beispielsweise Korn oder Wodka, Wacholder und ein paar weitere Gewürze, im Fachjargon „Botanicals“ genannt, reichen aus, um seinen Gin selbst anzusetzen.

Die Anleitung – Schritt für Schritt

  • Schritt I: Die Mazeration
    Vodka, Wasser und ganze Wacholderbeeren werden gemischt, in ein Gefäß gefüllt und für 24 Stunden auf Seite gestellt. Der Alkohol im Vodka zieht langsam das typische Ginaroma aus den Wacholderbeeren – die Basis ist geschaffen.
  • Schritt II: Zusatz von weiteren Botanicals
    Nach einem Tag schimmert der angesetzte Gin goldfarben. Dieser wird nun durch weitere Botanicals wie die Klassiker Koriander, Zitrusschalen und Kardamon ergänzt.
  • Schritt III: Ruhepause für weitere 12 Stunden
    Auch die neu hinzugefügten Gewürze und Schalen müssen für weitere 12 Stunden stehen gelassen werden, damit sich die Aromen entfalten können.
  • Schritt IV: Die erste Genussprobe
    In diesem Schritt werden die Lorbeeren geerntet beziehungsweise die Wachholderbeeren getestet: die erste Kostprobe steht an. Sollte dabei ein bestimmtes Aroma noch nicht intensiv genug sein, kann der Gin mit der favorisierten Komponente angereichert werden.
  • Schritt V: Die Filtrierung
    Sobald das Aroma dem eigenen Gusto zusagt, müssen die Botanicals entnommen werden. Dabei braucht es Geduld und auch Fingerspitzengefühl, um akribisch auch die kleinen Gewürzpartikel herauszufiltern. Bestenfalls einen Trichter zu Hand nehmen und den Gin direkt in die gewünschte Flasche füllen.
  • Schritt VI: Ruhepause von einer Woche (leider 🙂
    Zwar schon verzehrfertig, benötigt der Gin eine weitere Woche, damit sich die Aromen setzen können.
  • Schritt VII: Genießen!
    Dieser Schritt bedarf wohl kaum weiterer Erklärungen.

Soweit die Theorie – nachfolgend das Lieblingsrezept unserer Redaktion zum Nachmachen:

Zutaten

  • 1 Flasche Vodka, 0,7l, ca. 40% Vol.
  • 10g Wacholderbeeren
  • 4g Koriander, gestößelt
  • 1g Orangenschale
  • 1g Zitronenschale
  • 1,5g Zimtstange
  • 0,5 Stück Kardamomkapseln

Das macht Gin – Das Fazit

Ein selbst angesetzter Gin wird die prämierten und hochpreisigen Gin-Sorten geschmacklich nur schwer übertrumpfen, aber das muss er auch nicht. Viel mehr überzeugt er als ein mit Liebe bestücktes Unikat und das lässt sich ja bekanntlich nicht mit Geld bezahlen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here