Schmecken sollte er. Gut und ausgewogen, nicht zu alkohollastig, nicht zu sehr nach Wacholder. Und doch wie ein richtig edler Tropfen. Die Anforderungen an den Hirschberg Gin waren niedrig. Trotzdem hat sich aus einer gewagten Idee eine Top-Spirituose entwickelt. Und das liegt vor allem an den beiden jungen Männern hinter dem Gin aus Hirschberg in Rheinland-Pfalz: Max Weiß und Simon Gunnemann. Sie sind ehrgeizig, sie sind Genießer und sie sind vor allem eines: Macher.

Der Hirschberg Gin hat es im vergangenen Jahr unter die 15 besten Gins weltweit geschafft. Seit er auf dem Markt ist, hagelt es Preise. Zuletzt wurde er Anfang 2018 Wochen in Großbritannien  als „Best German Contemporary Style Gin“ ausgezeichnet. Dabei stecken hinter der Marke eigentlich nur die zwei auf dem Boden gebliebenen jungen Männer und ihre Freude an gutem Gin.

Mit einer Mini-Destille fängt alles an

Die Idee, einen eigenen Gin herzustellen, kam den beiden Freunden schon vor einigen Jahren. Sie kennen sich seit ihrer Schulzeit in Diez, anschließend zieht es Gunnemann beruflich nach Köln, Weiß nach Wiesbaden. Wenn sie sich am Wochenende in Hirschberg treffen, stellen sie fest, dass es in den umliegenden Supermärkten kaum guten Gin zu kaufen gibt. „Da hat man mal einen Gordons bekommen, aber sonst gab es eigentlich nichts“ erinnert sich Gunnemann. „Da dachten wir uns: Hey, warum machen wir unseren Gin eigentlich nicht selbst?“

Eine Mini-Destille ist schnell im Internet bestellt, die ersten 4 cl sind flott gebrannt. Immer wieder verändern die beiden jungen Männer das Rezept. So lange, bis ihnen der Gin schmeckt. Doch mit 4 cl kamen sie nicht weit. Schnell stießen die beiden Gin-Fans an ihre Grenzen. „Die Vorgaben zum Brennrecht sind strikt reglementiert“, erklärt Weiß. Privat dürfe man höchstens einen halben Liter Ansatz verarbeiten. Das Brennrecht nur für ihren Gin zu erwerben, wäre für Weiß und Gunnemann aber nicht möglich gewesen. Zu viele Voraussetzungen braucht es, die die beiden nicht hätten erfüllen können. So muss zum Beispiel eine Fläche bewirtschaftet werden oder eine bestehende Brennerei übernommen werden. Weil das für Weiß und Gunnemann nicht infrage kam, musste eine Idee her.

Die erste Charge geht in Produktion

Und die hatte Max Weiß. In Hirschberg brennt die Familie Meckel seit mehr als 200 Jahren Schnäpse und Liköre. Warum sollten sie den Hirschberg Gin nicht einfach in einer schon bestehenden Brennerei produzieren? „Glücklicherweise habe ich im Grunde genommen direkt neben der Brennerei gewohnt“, berichtet Weiß. „Deshalb musste ich nur mit Klaus und Veronika Meckel über unsere Idee sprechen.“ Und die Meckels waren direkt begeistern von der Idee, einen eigenen Hirschberg-Gin zu brennen.

In ihrer kleinen Brennerei entstand die erste Charge. Von der Brennblase im angrenzenden Ziegelgebäude bis zur alten Abfüllanlage, mit der man damals nur jeweils eine Flasche befüllen konnte.  Zwischen Mirabellenbrand, Erdbeerlikör und selbstgebranntem Korn, der übrigens als Basis für den Hirschberg Gin dient. Inzwischen haben die Meckels eine neue Abfüllanlage. Grund dafür ist vor allem die Produktion des Hirschberg Gins. Die neue Anlage schafft vier Flaschen gleichzeitig.

Der Hirschberg Gin wird zum Erfolgsrezept

Unter Zugabe von Wacholder, Koriandersaat, Lavendel und Bitterorangenschale entsteht im beschaulichen Örtchen Hirschberg ein fruchtig-floraler Gin, der mild über den Gaumen geht. Und das bei satten 47 Prozent Alkoholgehalt. Das genaue Rezept ist natürlich geheim. Bis es feststand, hatten die beiden Jungunternehmer einiges zu tun. „Der Gin schmeckte pur super“, erinnert sich Weiß. „Aber man trinkt Gin ja normalerweise nicht pur. Mit Tonic Water verwässerte der Geschmack unseres Hirschberg Gins dagegen total.“ Gunnemann ergänzt: „Man hat nur noch Wacholder und Alkohol geschmeckt.“

Auf dem Weg zum perfekten Hirschberg Gin probieren die Beiden viel herum, ändern die Zusammensetzung, verfeinern die Zutaten. Irgendwann sind sie zufrieden. Das Duo wagt eine Bestellung von 150 Flaschen. Der Name „Hirschberg Gin“ liegt nahe und auch der Hirsch als Logo für das feine Getränk ist gesetzt. Die beiden Jungunternehmer entwickeln Etiketten in normgerechter Größe und Beschriftung und schon können die ersten Flaschen in Produktion gehen. „Das Schlimmste, was hätte passieren können, wäre gewesen, dass wir auf 150 Flaschen Gin sitzen bleiben“, erzählt Weiß. So sollte es aber nicht kommen.

Freunde und Bekannte finden schnell Geschmack an dem edlen Tropfen, die bauchige Flaschenform gefällt ihnen. Und auch die Tatsache, dass der Hirschberg Gin mit seinen 38,50 Euro pro Flasche eher ein Genussgetränk für besondere Anlässe ist, schmälert die Begeisterung nicht. Über einen kleinen Webshop verkaufen Weiß und Gunnemann ihren Gin. Klassische Werbung brauchen sie nicht: Auf Facebook interessieren sich schnell immer mehr potenzielle Kunden für den Hirschberg Gin. 2016 verkaufen die beiden Jungunternehmer 1500 Flaschen, im Jahr darauf sind es schon etwas mehr als doppelt so viele. Und auch die Idee, einen Gin in echter Handarbeit und in der Region herzustellen, kommt gut an.

Regionalität steht im Vordergrund

owohl Gunnemann als auch Weiß ist eines bei ihrem Gin enorm wichtig: eine regionale Wertschöpfungskette. Die Flaschen und Korken kommen aus dem Westerwald, die Verpackungskartons aus dem nahen Villmar. Die Verkostungsgläser, die ebenfalls das Logo des Hirschberg Gin ziert, werden in Höhr-Grenzhausen bei Koblenz hergestellt. Der  Hirschberg Gin – er ist für seine beiden Entwickler auch ein Stück Heimat. „Unsere Zielsetzung war es nie, ein besonders exotisches Getränk zu entwickeln“, erzählt Weiß. „Wir wollten wirklich einfach nur einen authentischen Gin machen, der uns schmeckt.“

Am liebsten trinken ihn die Beiden mit Tonic Water, Orangenzesten und einem Lavendelzweig. Für Klaus Meckel, den Inhaber der Hirschberger Brennerei, steht aber fest: „Am besten schmeckt er mit frischen Erdbeeren.“ Der nächste große Schritt für Gunnemann und Weiß hin zum eigenen Gin-Imperium ist jetzt die Anschaffung eines Kapselanrollers, der das Verschließen der Flaschen stark beschleunigt. Im Moment versiegeln Weiß und Gunnemann ihre Flaschen noch von Hand. Sechs Stunden brauchen sie für 150 Flaschen. Das ist einfach zu lange. Damit sich die Anschaffung der Maschine rechnet, müssten sie mehr als 10.000 Flaschen verkaufen. Eine große Aufgabe. „Aber die Nachfrage ist da“, sagt Weiß. Er ist sich sicher, dass sie schon bald die 10.000er-Marke knacken können.

Der Gin schmeckt besonders gut mit Erdbeeren
Mit frischen Erdbeeren schmecke der Hirschberg Gin besonders gut – sagt zumindest der Inhaber der Brennerei. | Quelle: pixabay

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