Grundwissen Gin: Diese Sorten sollte jeder kennen!

Von Jasmine Barendt

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Quelle: Celina de Cuveland / Gin Magazin

Gin ist mehr als einfach nur ein alkoholisches Getränk. Er verbindet Genuss mit Gemütlichkeit zu einer perfekten Einheit und lässt sich in unzähligen Variationen zubereiten. Dabei können sich Gin-Liebhaber heute auf eine Vielzahl von Sorten freuen: Old Tom Gin, Sloe Gin, London Dry Gin, Destilled Gin, New Western Dry Gin und viele mehr. Wie viele und welche Gin Sorten gibt es heute? Das Gin-Magazin gibt einen Überblick des Gin-Dschungel und unterscheiden die Sorten nach Herkunft, Zusammensetzung und Destillationsart.

Die Geschichte des Gins – ein kleiner Ausflug

Gin, alte Medizin in neuem Gewand: Gin trinken hat etwas Urtümliches und erinnert ein wenig an die englischen Herrenclubs der Vergangenheit. Mit einem Glas des Wacholdergetränks in der Hand fühlt man sich wie die Gentlemen auf den eleganten Ledersofas vor dem flackernden Kaminfeuer, umgeben vom Duft der Zigarren, Pfeifen und altem Leder. Doch warum besteht eigentlich diese Verbindung im Kopf zwischen einem englischen Herrenclub und Gin? Ein kurzer Rückblick.

Vom Heilmittel zum Genussmittel – vom Genever zum Gin

Anfänglich war Gin vor allem eines: Medizin. Die Heilwirkung von Wacholder ist schon lange bekannt. Als „Urvater“ des Gins gilt der niederländische Arzt Franciscus Sylvius (1614-1672). Er soll den Wacholderschnaps, auch bekannt als Genever, als Mittel gegen Magenbeschwerden erfunden haben. Seine Patienten schätzten das Genussmittel allerdings eher wegen seines Geschmacks.

Der Bezug zu England hängt mit dem spanisch-holländischen Krieg (1568-1648) zusammen. Die Engländer unterstützten die Spanier gegen die Niederländer und lernten dabei den Genever kennen. Nach der Thronbesteigung von William III. von Oranien-Nassau, einem niederländischen Adligen, im Jahre 1689 wurde Genever in Großbritannien gesellschaftsfähig. Da Gin, wie der Genever bald hieß, billiger war, entwickelte er sich zum beliebtesten Getränk auf den Inseln.

Tausendundeine Gin-Sorte

Was ist eigentlich Gin? Zum einen kann man diese Frage über den Produktionsprozess beantworten, zum anderen hat sich das Europäische Parlament 2008 rechtliche Gedanken dazu gemacht. In der – Achtung, jetzt wird es langatmig und spröde – Verordnung zur „Begriffsbestimmung, Bezeichnung, Aufmachung und Etikettierung von Spirituosen sowie zum Schutz geografischer Angaben für Spirituosen“ (Verordnung (EG) Nr. 110 / 2008) wurde ganz klar festgelegt, wann Gin auch wirklich Gin ist. Hierbei wurde Gin unter vier Varianten definiert:

Wacholderschnaps, kein Gin und dennoch irgendwie Gin

Spirituosen mit Wacholder sind definiert als Spirituose mit mindestens 30 Vol. % und einer Aromatisierung mittels natürlichen / naturidentischen Aromastoffen. Das Ausgangsprodukt muss pflanzlicher Alkohol, eine Getreidespirituose oder ein Getreidedestillat mit Wacholderbeeren sein.

London Dry Gin, eine der ältesten Sorten

London Dry Gin / London Gin unterliegt sowohl bei der Destillation als auch bei der Verwendung der Zutaten strengen Vorschriften. Grundsätzlich muss der London Gin mehrfach destilliert sein. Ausgangsstoff sind Getreide oder Melasse. Der Zusatz von Farbstoffen und Zucker ist nicht gestattet. Werden natürliche Zutaten zur Aromatisierung zugesetzt, muss dies gleichzeitig geschehen. Ein nachträgliches Zufügen von Aromen oder Zucker ist nicht erlaubt. Der Alkoholgehalt von London Gin beträgt mindestens 37,5 Vol. %.

London Dry Gin, eine der ältesten Sorten
Gehört zu den bekanntesten Gin-Marken: Gordons London Dry Gin | Quelle: pixabay

Destilled Gin, ein Naturprodukt mit Geschmacksvariationen

Zwischen dem London Dry Gin und Destilled Gin besteht eine gewisse Ähnlichkeit. Auch der Destilled Gin wird nur mit natürlichen und naturähnlichen Aromastoffen / Gewürzen destilliert, der Wacholdergeschmack muss vorherrschen. Allerdings dürfen Botanicals (Gewürze und Aromen) zu jedem beliebigen Zeitpunkt zugesetzt werden. Zudem sind Farb- und Aromastoffe erlaubt. Der Mindestalkoholgehalt liegt beim Destilled Gin bei mindestens 37,5 Vol. %.

Die Ausnahme: Sloe Gin – kein Gin, sondern laut EU ein Likör

Der geneigte Gin-Liebhaber würde der EU-Definition von Sloe Gin sicherlich heftig widersprechen. Laut Verordnung ist Sloe Gin nämlich kein Gin, weil es nicht destilliert wird und nicht den Mindestalkoholwert von 37,5 Vol. % erreicht. Die Herstellung erfolgt mittels Einlegen von Schlehen und Zucker in destillierten Gin. Der Geschmack des trockenen Sloe Gin wirkt leicht süßlich und erinnert an Bittermandeln.

Gin-Sorten: Zusammenfassung nach rechtlicher Einteilung

  • Spirituosen mit Wacholder, mit mindestens 30 Vol. %
  • London Dry Gin / London Gin: mehrfach destilliert, mit mindestens 37,5 Vol. %
  • Destilled Gin: mehrfach destilliert, darf pflanzliche Stoffe und Aromastoffe enthalten, mit mindestens 37,5 Vol. %
  • Kein Gin nach dem Europäische Parlament: Sloe Gin (mindestens 25 Vol. %)
Verschiedene Ginsorten zur Auswahl
Dry Gin, Destilled Gin, Wacholderschnapps: Die Auswahl ist groß | Quelle: pixabay

Gin-Sorten ohne EU-Segen

Neben den in der EU-Verordnung definierten Gin-Sorten gibt es eine Vielzahl weiterer Destillate, welche die Bezeichnung Gin tragen. Bei der Frage, ob zu Recht oder Unrecht, scheiden sich oftmals die Geister. Viele der Gin-Sorten haben sich auch ohne offiziellen Schutz auf dem Markt fest etabliert.

New Western Dry Gin: dominanter Wacholder Geschmack? Ade!

Gin-Liebhabern kommt der Genuss von New Western Dry Gin manchmal etwas merkwürdig vor. Den typischen Gin-Geschmack ersetzen verschiedene Aromen, wie beispielsweise Rosendüfte beim Hendricks Gin. Die Whisky-Destillerie William Grant & Sons fügt ihren Gin-Variationen Kamillenextrakt, Gurken und Rosenblätter bei. Von New-Western-Pioniers House Spirits stammt die Variante mit Orangenschalen ergänzt durch Kardamomaroma, Lavendel und Anis. Wenn auch für manche Gin-Trinker etwas ungewöhnlich, der New Western Dry Gin bildet eine perfekte Grundlage für Cocktails und Mixvariationen.

Old Tom Gin, eine der ursprünglichsten Formen des Wacholdergetränks

Bei den ersten Gin-Sorten handelte es sich um bitteren, fast nicht trinkbaren Fusel. Um sie genießbar zu machen, fügten die Wirte dem Schnaps Zucker bei. Dadurch entwickelte sich der Old Tom in den Londoner Cocktail Bars zu einem beliebten Getränk. Als die Dry Gins mit ihrem deutlich besseren Geschmack auf den Markt kamen, geriet der Old Tom in Vergessenheit. Inzwischen erlebt diese bittere Variante des Gins eine Art Renaissance.

Cordial Gin, die Neuentdeckung des gesüßten Old Tom

Dass sich Gin steigender Beliebtheit erfreut, führte zu wachsendem Interesse an der Geschichte und der (Wieder-)Entdeckung alter Sorten. Der Cordial beziehungsweise Fine Cordial Gin war der Nachfolger des Old Tom. Da sich die Kunden an den mit Zucker versetzten Old Tom gewöhnt hatten, fügten die Destillen den Cordial Gin ebenfalls Zucker bei.

Gin weltweit
Gin wird auf der ganzen Welt gerne getrunken | Quelle: pixabay

Übersicht: Weitere „inoffizielle“ Gin-Sorten

  • New Western Dry Gin: Der etwas andere Gin
    Geschmack: Kamille, Gurken und Rosenblätter bei. Von New-Western-Pioniers House Spirits stammt die Variante mit Orangenschalen ergänzt durch Kardamomaroma, Lavendel und Anis
    Perfekt für: Cocktail-Liebhaber und Freunde von Experimenten
  • Old Tom Gin: Der Klassiker
    Geschmack: fruchtiger Unterton mit einer unterschwelligen Süße, die für Gin typische Wacholdernote ist sehr reduziert
    Perfekt für: Gin-Trinker, denen ein Dry Gin zu trocken und ein New Western Dry Gin zu würzig ist
  • Cordial Gin: Der Newcomer
    Geschmack: Sehr süß, ähnlich zu einem Likör, ziemlich mild mit einer etwas stärkeren Wachholdernote
    Perfekt für: die süßen Leckermäuler

Und beim nächsten Mal stellt das Gin-Magazin den Compound Gin, Bathtub Gin, den Plymouth Gin und die Geheimtipps Gin de Mahòn und Vilnius Gin vor.

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