Die kleine Bar ist unauffällig. Mit den hohen Fenstern und den drei Stufen zur Eingangstür sieht sie von außen fast aus wie eine gewöhnliche Wohnung. Aber hier, im hippen Belgischen Viertel in Köln, versteckt sich ein Diamant: das „Little Link„. Wer nach außergewöhnlichen Cocktailkreationen rund um Gin sucht, landet hier. Und die haben nichts zu tun mit den versüßten, klebrigen Mischgetränken, die es in vielen anderen Bars gibt. Sie sind filigran, die Kombinationen aus herben, salzigen und süßlichen Noten lassen auf Extravaganz schließen. Und da liegt man nicht ganz falsch. 

Denn das Little Link ist die Bar von Stephan Hinz. Wenn sich einer mit Cocktails und Spirituosen auskennt, dann er. Hinz ist der „Deutsche Bartender des Jahres 2017/2018“, gewann die Goldmedaille der Gastronomischen Akademie Deutschlands und ist Barkeeper des Jahres 2016. Und natürlich gibt es im Little Link auch eine ganze Menge Flaschen feinen Gins. Etwa 50 Ginsorten werden dort ausgeschenkt. Das Spektrum reicht von gut und günstig bis exquisit und wirklich teuer. Aber was macht es eigentlich für einen Unterschied, ob ein Gin zehn oder 40 Euro kostet? Darüber habe ich mit Stephan Hinz in seiner Bar gesprochen.

Auch Monkey 47 wird im Little Link ausgeschenkt | Quelle: Celina de Cuveland / Gin Magazin

Viele Menschen glauben, dass ein teurer Gin spezieller ist als ein günstiger Gin. Das muss zwar nicht immer so sein, entspricht aber der Logik des Marktes. Wer gibt schon viel Geld für etwas Gewöhnliches aus? „Das heißt aber nicht, dass der teure Gin besser ist“, sagt Hinz. „Gute Gins bekommt man schon für relativ wenig Geld. In den höheren Preissegmenten findet man teilweise sehr ausgefallene Kreationen, die vor allem dann spannend sind, wenn man nach Abwechslung sucht. Häufig muss man aber für die ungewöhnlicheren Gins auch die klassischen Rezepte etwas abwandeln.“

Viele Faktoren bestimmen den Preis

Während Stephan Hinz das sagt, mischt uns einer der Barkeeper des Little Link einen Cocktail. Es ist der Goatherd, eine der Spezialitäten der Bar. Hinein kommen Gin, Ziegenkäse, Safran, der Kräuterlikör Chartreuse Verte, Limettensaft, Honig, gedörrte Zwiebeln und Kräuter. Ich nippe an dem Drink, er schmeckt erstaunlich mild und erfrischend. Ziegenkäse und Gin – diese Kombination ist mir neu. Stephan Hinz hingegen grinst nur. Haben doch er und sein Team diese Kreation entwickelt.

Der Goatherd in seiner ganzen Pracht | Quelle: Celina de Cuveland / Gin Magazin

Dann erzählt er mir mehr über die Preise von Gin. Die massiven Preisunterschiede entstehen, weil jede Spirituose unter anderen Bedingungen und mit anderen Produkten zubereitet wird. So hängt der Preis zum Beispiel davon ab, wie teuer und qualitativ hochwertig die Rohstoffe sind, aus denen sie gemacht sind.

Der Preis variiert aber auch wegen den unterschiedlichen Verarbeitungsmethoden, Produktionsmengen und Produktionsstandorten. Hinz erklärt das: „Wenn ich einen Gin mit preiswerten Botanicals in einer großen Menge bei niedrigen Lohnkosten herstelle, kann ich das Produkt günstig anbieten“, sagt der Barkeeper. „Allerdings wirken sich auch Faktoren wie Marketing, Vertrieb und Marge auf den Preis aus. Man kann also am Preis nicht direkt ablesen, wie teuer oder aufwendig die Herstellung eines Gins war.“

Verlässliche Qualität zu günstigen Preisen?

Was jedoch auffällt, ist, dass die Gins kleiner Hersteller oder aus Manufakturen meistens teurer sind als Gins, die im großen Stil hergestellt werden. Ein Rückschluss auf die Qualität lässt sich daraus aber nicht ziehen. „Es gibt unter den traditionellen Marken, die weltweit vertrieben werden, genauso gute Produkte wie bei kleinen, lokalen Herstellern“, fasst Hinz seine Eindrücke zusammen. „Häufig haben die großen Marken mehr Erfahrung und liefern verlässlichere Qualität.“ Manche der neuen Gins, die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind, empfindet der Barkeeper als unfertig, wie er verrät. „Da hätte man lieber noch etwas Zeit in die Produktentwicklung stecken sollen.“

Unterdessen hat Barkeeper Marius Köhne aus dem Little-Link-Team den nächsten Gin-Cocktail gemischt. Und der sieht echt cool aus. „Ducktail“ heißt er, kostet zehn Euro und wird serviert in einer Mini-Badewanne – natürlich stilecht mit Quietsche-Entchen. Drin sind Zitronengras-Gin, Zitronensaft, Holunderblüte, Soda und Gurke. Vor allem der Schaum, den ich aus der Wanne schlürfe, schmeckt himmlisch. Ein wenig sauer, erfrischend, mit süß-fruchtigem Abgang. Kann man machen, denke ich.

Der Ducktail in der Herstellung| Quelle: Celina de Cuveland / Gin Magazin

Viele Gäste bestellen im Little Link aber auch klassisch einen London Dry Gin. Der ist geradlinig, aromatisch und lässt sich in vielen Rezepten einsetzen. Wer es lieber etwas ausgefallener mag, kann sich beraten lassen: Soll es eher ein trockener oder ein süßer Gin sein? Geht der Geschmack eher in die würzige oder die florale Richtung? Dann überlegen die Barkeeper, welcher Gin dem Gast schmecken könnte. Die Barmannschaft im Little Link hat ein Spezialgebiet: Sie aromatisiert Spirituosen. So entstehen ganz eigene, hausgemachte Drinks, die so sonst nirgendwo anders zu finden sind. „Wir aromatisieren Gins zum Beispiel per Rotationsverdampfer oder Sous-Vide-Gerät mit Zutaten wie Zitronengras, Vogelbeeren, Spargel oder sogar Lachs“, erzählt Hinz. „Dabei steigt der Wareneinsatz natürlich mit der jeweiligen Zutat immens.“

Das Team im Little Link aromatisiert viele Gins selber | Quelle: Celina de Cuveland / Gin Magazin

Gin ist nicht gleich Gin

Für die Gin-Neulinge, die sich überhaupt erstmal an das Getränk herantasten möchten, hat Hinz einen Tipp: „Um sich einen Überblick zu verschaffen, lohnt es sich, erstmal je einen Vertreter der großen Gin-Kategorien zu probieren.“ Die großen Gin-Kategorien, dazu gehören zum Beispiel London Dry Gin, Old Tom Gin oder New Western Gin. Sie unterscheiden sich vor allem in ihren Zusätzen.

Da wäre zunächst der klassische London Dry Gin – wacholderbetont, trocken und kraftvoll. Bekannte Vertreter sind zum Beispiel der Sipsmith London Dry Gin, der Bombay Sapphire Gin oder der Gordons Gin. Man bekommt bereits ab etwa zehn Euro einen vernünftigen Vertreter dieser Kategorie, nach oben sind den Preisen keine Grenzen gesetzt. Dann der etwas mildere Plymouth Gin – weich und balanciert. Eine Flasche kann man ab etwa 20 Euro kaufen. Es gibt den Old Tom Gin – ein leicht gesüßter Gin, der vor allem im 19. Jahrhundert populär war. Auch hier kostet die Flasche ab 20 Euro aufwärts. Und schließlich den eher modernen New Western Gin, der sich durch florale, verspielte Aromen auszeichnet. Hier beginnt der Flaschenpreis bei knapp 30 Euro.

„Wer verstehen will, wie sich Gin historisch entwickelt hat, sollte außerdem einen Genever verkosten“, rät Hinz. „Man findet gute Gins in jeder dieser Kategorien schon für 20 bis 30 Euro pro Flasche. Nach oben sind die Preis-Grenzen ebenfalls offen.“ Statt direkt vier Flaschen zu kaufen, empfiehlt er aber, sich erstmal von einem kompetenten Bartender beraten zu lassen. Der weiß normalerweise auch sofort, welche Marken den jeweiligen Geschmack am besten treffen.

Stephan Hinz im Little Link in Köln

Mein Cocktail ist inzwischen leer. Und Marius Köhne deutet seinem Chef an, dass sie sich ein wenig beeilen müssen. Es ist 17:50 Uhr. Um 18 Uhr öffnet das Little Link für alle, die gern mal einen etwas ausgefalleneren Gin trinken möchten. Für mich ist es damit allerdings Zeit zu gehen. Ich trete aus der Tür und bin direkt wieder drin im wuseligen Hin und Her des Belgischen Viertels. Einen besseren Platz für eine Bar mit ausgefallenen Gin-Varianten hätte man sich wohl nicht aussuchen können. Bis bald, Little Link.

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