Gin-Geheimtipps: Diese Gin-Sorten müsst ihr probiert haben!

Von Jasmine Barendt

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Gin gibt es nicht erst seit gestern. Zahlreiche Höhen und Tiefen in der Geschichte verhalfen dem Wacholderschnaps zu der bestehenden Vielfalt. Mittlerweile ist Gin Kult. Wir stellen ein paar ganz besondere Gin-Sorten vor, vom Bathtub Gin, über den Plymouth Gin bis hin zum Gin de Mahón sowie den Xoriguer Gin. Einige entstanden während der Prohibition – einer Zeit, in der das Getränk verboten war – heute gelten sie als Geheimtipp.

Bathtub Gin: Der „Badewannen-Gin“, aus der Not heraus geboren

Die Entwicklung des Bathtub Gin, des Badewannen-Gin, begann in den 1920er Jahren in den Vereinigten Staaten. Dort setzte sich die, Mitte des 19. Jahrhunderts gegründete, Abstinenzbewegung durch. Sie erreichte, dass ab dem 16. Januar 1920 strenge Verbote für Produktion, Verkauf, Transport und Konsum sowie für den Import von Alkohol galten.

Wie kam der Bathtub Gin zu seinem Namen?

Aufgrund der Prohibitionserlasse entstand schnell ein Schwarzmarkt für alkoholische Getränke. Dabei zählte Gin zu den beliebtesten hochprozentigen Alkoholika. Ein Problem für die Herstellung des Wacholderschnapses war die schlechte Qualität des, zu dieser Zeit verfügbaren, Alkohols. In Hinterhöfen und Schwarzbrennerwerkstätten versetzten die Gin-Produzenten billiges Weizendestillat oder denaturierten Alkohol mit Aromen. Um die Mischung trinkbar zu machen und die Flaschen besser befüllen zu können, mischten sie den Alkohol in einer Wanne an und ließen ihn dort für Stunden oder Tage ziehen – der Bathtup Gin war geboren.

Bathtub Gin heute: ein ganz besonderer Genuss

Im 21. Jahrhundert wird der Bathtub Gin natürlich nicht mehr heimlich und unhygienisch in Badewannen gepanscht, sondern offiziell in anerkannten Destillen mit normalen Kupferkesseln produziert. Das Besondere an diesem außergewöhnlichen Getränk ist seine Herstellungsart. Im Gegensatz zu anderen Ginsorten erhält er seinen Geschmack nicht durch eine Botanical-Destillation, sondern durch einen speziellen Infusionsprozess. Bei Zimmertemperatur sieht der Gin leicht gelblich aus und erinnert an einen hellen Weißwein. Den Eindruck hebt allerdings die etwas ölig und schwer wirkende Konsistenz wieder auf. In Handel erkennen lässt sich der Bathtub Gin an dem braunen Papiermantel um die Flasche sowie den mit Siegelwachs verschlossenen Korken. Bathtub Gin hat einen sehr ausgeprägten, für moderne Ginsorten eher ungewöhnlichen Wacholdergeruch mit floralen Tönen, Organgenaroma und einem Hauch Kardamom.

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Anleitung Compound Gin: Gin zum selber machen

Was ist eigentlich Compound Gin? Eine nicht ganz unberechtigte Frage. Wer selbst gerne kocht, bastelt oder braut, ist an dieser Stelle richtig aufgehoben. „Do it yourself“, der Trend des 21. Jahrhunderts, macht auch vor Spirituosen nicht halt. Compound Gin erinnert ein bisschen an den Bathtub Gin während der Prohibitionszeit.

Der Selbstbau-Gin entsteht ohne Destillation, verschiedenen Botanicals (wie zum Beispiel Beeren, Früchte, Kräuter, Blätter oder Wurzeln) werden dafür in neutralem Alkohol angesetzt. Es dürfte sich bei dem Getränk wohl um die am wenigsten populäre Gin-Sorte handeln. Dass es sich beim Ergebnis wirklich um Gin handelt, darf bezweifelt werden. Für die Herstellung von Compound Gin sind folgende Zutaten nötig:

Do it Yourself GIn
Der Gin Baukasten zum Selbstmachen | Quelle: Amazon
  • Leere Glasflasche
  • Trichter
  • Sieb
  • Kaffeefilter
  • Neutrale Spirituose
  • Verschiedene Gewürze, beziehungsweise Wacholderbeeren

Mehr dazu gibt’s in diesem Artikel: So leicht kann man Gin selber machen

Das Prozedere ist simpel: Neutralen Alkohol mit ganzen Wacholderbeeren in eine Flasche füllen, die verschlossene Flasche 24 Stunden trocken und lichtgeschützt lagern. Dann Gewürze zusetzen und nochmals zwölf Stunden aufbewahren. Wieder Gewürze zugeben und erneut zwölf Stunden warten, das Getränk durchfiltern und eine Woche ruhen lassen.

Herstellung, Herkunft und Geschmack: Was ist Plymouth Gin?

Plymouth Gin wird nach alter Rezeptur nur noch von der seit 1793 bestehenden „Black Friars Distillery“ in Plymouth hergestellt. Es gibt drei Sorten:

  • Plymouth Gin Original
  • Plymouth Gin Navy strength
  • Plymouth Sloe Gin

Plymouth Gin Original: Pinien und ein Hauch von Bitterkeit am Gaumen

Der Plymouth Gin Original wird wie seit 1793 aus dem weichen „Dartmoor Wasser“ und reinem Weizenalkohol mit sieben exotischen Botanicals hergestellt. Die britische „Plymouth Gin Distillery“ achtet sehr auf die Wasserqualität. Für das Aroma von Pinien und den Hauch von Bitterkeit am Gaumen sorgen die ätherischen Öle des Wacholders. Koriandersamen geben dem Getränk das leichte Zitrusaroma sowie eine Spur von Säure und Würze. Süße bringen die Schalen spanischer Orangen und frischer Zitronenschalen. Grüner Kardamom enthält den höchsten Anteil ätherischer Öle bei Pflanzenextrakten und verleiht dem Gin ein Etwas von Menthol. Die Angelikawurzel bringt das unverwechselbare trockene, süßliche Finish, für welches englischer Gin zu Recht berühmt ist. Zusammen mit einem Hauch von Veilchen sorgt Iriswurzel als natürliches Konservierungsmittel dafür, dass jede Flasche ihren vollen Geschmack und das Aroma behält. Der Alkoholgehalt liegt bei dem Plymouth Gin Original bei 41,2 Prozent

Plymouth Gin Navy Strength: Ein Must-have auf jedem Schiff

Fast 200 Jahre lang waren die Marineflotte ihrer Majestät und der Plymouth Gin Navy Strength untrennbar miteinander verbunden. Es gab kein Schiff, das den Hafen ohne den einzigartigen Gin an Bord verließ. Der Alkoholgehalt des „Militär-Gins“ erreicht beachtliche 57 Prozent. Noch heute wird Plymouth Gin Navy Strength trotz seines hohen Alkoholgehalts pur genossen.

Plymouth Sloe Gin: der Geschmack von Pflaumen und Mandeln

Die Herstellung von Fruchtgin hat in England eine lange Tradition, die Rezepturen stammen zum Teil aus dem 19. Jahrhundert. Das Geheimnis des fruchtigen Geschmacks von Plymouth Sloe Gin sind die Beeren des Schlehdorns, einem Steinobstgewächs aus der Familie der Rosengewächse. In Deutschland ist die Pflanze unter den Namen Heckendorn, Schlehendorn, Schwarzdorn, Schlehe und Deutsche Akazie bekannt. Der intensive Pflaumengeschmack und der Hauch von Mandeln bei der Schlehe sorgen beim Plymouth Sloe Gin für die runde Fruchtigkeit.

Quelle: Gin-Magazin

Geheimtipp von den Balearen: Gin de Mahón

Der Gin de Mahón kommt von der kleinen Baleareninsel Menorca. Er wird in den Räumen des Familienunternehmens „Xoriguer Gin“ nahe des Hafens von Mahón hergestellt. Die alte Destillerie kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Sie reicht zurück bis zu den Anfängen der Gin-Produktion im 18. Jahrhundert.

Britisches „Gin-Wissen“ und spanischer Einfallsreichtum

Dass es auf Menorca eine Gin-Produktion gibt, verdanken die Inselbewohner den Briten. Die Angehörigen des, auf der Baleareninsel stationierten, Militärs vermissten das in ihrer Heimat beliebte Getränk. Um die Soldaten bei Laune zu halten, entschlossen sich die Menorquiner, tatkräftig von den Besatzern unterstützt, selbst Gin herzustellen. Sie importierten Wacholderbeeren aus Großbritannien, verwendeten jedoch statt Weizenalkohol ein Weindestillat. Aus der lokalen Abart entwickelte sich die Marke Xoriguer, die sich noch immer in den Händen der Gründerfamilie befindet. Das Unternehmen besitzt die Markenrechte für den Gin de Mahón.

Welche Botanicals für die Aromatisierung zum Einsatz kommen, ist ein streng behütetes Familiengeheimnis. Neben dem Weindestillat und den Botanicals sorgt eine längere Reifephase in amerikanische Eichenfässer für den besonderen Geschmack. Der Alkoholgehalt beträgt beim Gin de Mahón 38 Prozent.

In der Gegend um Mahón ist die Pomada, Gin mit einer leichten Zitronenlimonade, sehr beliebt. Die Pomada zählt zu den festen Bestandteilen bei allen Fiestas auf der Insel. Im Westen, bei Ciutadella, gibt es den „Gin amb Llimona“, Gin mit Zitrone. Wer eine Pellofa bestellt, erhält Gin mit kohlensäurehaltigem Mineralwasser. Die alten Menorquiner schwören auf das Schnapsglas Gin am frühen Morgen als Rezept für ein langes Leben.

Quelle: Gin-Magazin

Vilnius Gin, eine Spezialität aus Litauen

Aus Litauens Hauptstadt Vilnius stammt der Vilnius Gin, der zwar international keine Rolle spielt, aber mit zu den besten Destillaten überhaupt gehört. Die Sorte bezieht sich wie beim Plymouth Gin und Gin de Mahón auf die geografische Lage des Herstellungsorts. Er darf nur in Vilnius produziert werden. Die Zusammensetzung der verwendeten Gewürze ist ein streng geheim. Bekannte Zutaten sind neben Wacholder Dillsamen, Koriandersamen und Organgenschalen. Der Geschmack des Vilnius Gin erinnert an Pinien mit einer leichten Zitrusnote sowie einem etwas krautigen Aroma. Dieser sanfte Gin zeichnet sich durch seine Einfachheit aus. Sein Alkoholgehalt liegt bei 45 Prozent.

Hier weiterlesen: Grundwissen – die gängigsten Gin-Sorten

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