Eine Liebeserklärung an den Gin – und das von einer Frau!

Von Viktoria Meyer

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Drink im Tumbler
Frau mit einem Gin

Als Wilhelm III. von Oranien-Nassau 1689 den englischen Thron bestieg, brachte er den Genever aus seiner holländischen Heimat mit. Auch englische Soldaten, die im Holländisch-Spanischen Krieg teilgenommen hatten, brachten die Spirituose auf die Britische Insel, wo er den Namen Gin erhielt. Seit dem war der billige und hochprozentige Gin vor allem bei den Herren der unteren Gesellschaftsschichten sehr beliebt. Ab 1791 war er durch den sogenannten Gin Act auch in den Kreisen der Oberschicht angekommen.

Soweit die Geschichte des Gins, in der fast immer von saufenden Soldaten und trinkenden Thronfolgern die Rede ist. Noch bis vor Kurzem war der stereotypische Gin Tonic-Trinker auch in moderner Zeiten ein im dunklen Anzug gekleideter Engländer, der nach einem harten Arbeitstag den After-Work-Drink im Pub kippte.

Von „Mother’s Ruin“ zu „Soup of the day“

Doch dieses Bild ist überholt. Die Gastronomen und Barkeeper wissen es schon längst und auch in der Gesellschaft hat sich das Bild des klassischen Gin-Trinkers in den letzten Jahrzehnten verwässert – und ist damit realistischer geworden. Dem Gin als neues Modegetränk fühlen sich mittlerweile die unterschiedlichsten Menschen hingezogen: grillende Väter, feiernde Studenten oder kultivierte Hipster und sogar: Frauen!

Dass auch die weibliche Spezies nicht erst seit gestern gerne den Wacholderschnaps genießt, zeigen historische Hinweise. So hat sich Gin schon immer an Frauen gerichtet beziehungsweise wurde ihnen gereicht. Aus dem 18. Jahrhundert beispielsweise stammt ein vielsagender Name für die Spirituose: „Mother’s Ruin“. Zu dieser Zeit hatte der hohe Ginkonsum desaströse Auswirkungen und ließ die Geburtenrate in London drastisch sinken. Heutzutage sind die Verhältnisse nicht mehr ganz so extrem, auch wenn es in den verschiedensten Küchen dieser Welt sicher immer noch des Öfteren heißt: „Soup of the day: Gin Tonic!“

Soup of the day: Gin kann auch zum Kochen gebraucht werden | Quelle: pixabay

Der Gin – ein weibliches Getränk?

Gin Eva Mallorca, Madame Geneva Gin oder Gin Emma – inzwischen gibt es viele Ginsorten, die Frauennamen tragen und denen weibliche Noten zugeschrieben werden. So verspricht letzterer beispielsweise „einen femininen Hauch in der Wacholder- und Zitrus-dominierten Welt des Gins“ – was auch immer das bedeuten mag. Während diese Marken wohl eher aus Marketing-Gründen den Bezug zur Frau herstellen, gibt es inzwischen auch eine bedeutende Zahl von Frauen, die selber destillieren. Die Hamburgerin Kim Weisswange beispielsweise war eine bekannte Parfumeurin, bis sie sich mit ihrem Weisswange Dry Gin und Old Tom Gin auch in der Spirituosenwelt einen Namen machte. Auch der Bloom Gin von Joanne Moore aus Großbritannien spielt ganz oben in der Liga der GinliebhaberINNEN mit und „trägt nicht nur optisch eine feminine Note“ – was auch immer das bedeuten mag.

Vielleicht spielt auch das Optische, die lila-dunkelblaue Farbe der Wacholderbeere, eine Rolle, wenn es um die Anziehungskraft des Gins geht. Angeblich zählt Gin zu den Getränken, die Männer bei Frauen am attraktivsten finden. Ein Glück, denn genau das ist es natürlich, was Frauen in allen Lebenslagen wollen: gut bei Männern ankommen. Da ist es umso glücklicher, dass Gin, auch in der Longdrink-Version als Gin Tonic, vergleichsweise wenig Kalorien und angeblich sogar einen Anti-Aging-Effekt hat. Auch entgiftend und verdauungsfördernd soll er wirken. Ist das vielleicht der Grund, wieso Frauen wie Joanne K. Rowling sich am liebsten für dieses Getränk entscheiden? Mitnichten.

Lesetipp: Wissenswertes rund um Gin

Er schmeckt Frau einfach!

Frauen trinken Gin, weil er ihnen schmeckt. Vielleicht auch, weil sie sich dabei rebellisch und verrucht vorkommen. Vielleicht auch, weil sie einfach nichts anderes kennen. Es ist völlig egal, denn was zählt, ist, dass die moderne Frau im 21. Jahrhundert einfach trinkt, was sie möchte. Und da fällt die Wahl nun mal des Öfteren auf ein Getränk, das so viele Aromen wie kein anderes verbindet. Ein Getränk, das zum Experimentieren, Riechen, Schmecken sowie Versuchen einlädt. Ein Getränk, das dabei kraftvoll und gleichzeitig sanft jede Emotion und jede Nuance des Lebens verkörpert. Wie könnte Frau ihn nicht lieben, den Gin?

Seine lebendig erquickende Wirkung kannte schließlich schon die bekannteste Gin-TrinkerIN der Welt: Queen Mom, die mit einem Glas Gin Tonic jeden Nachmittag immerhin 101 Jahre alt wurde. Also lasst uns die Gläser heben, auf die Gin-LiebhaberINNEN dieser Welt und darauf, dass auch unsere Gin-Liebe endlich zelebriert wird!

Gin für die Frau? Eine Frage des Geschmacks und nicht des Geschlechts.

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